You are here: München

München

E-Mail Drucken PDF

München und seine Architekten

Aus nahezu allen Epochen der Baugeschichte kann man in München zeittypische Denkmäler entdecken. Jeder Herzog, Kurfürst, König, Regent, Landesvater oder Oberbürgermeister war bestrebt, mit Hilfe namhafter Architekten das Gesicht der ehemaligen Residenz- bzw. Landeshauptstadt nachhaltig zu prägen . Das Jahr 2013 steht im Zeichen von "runden " Geburts- und Todestagen von gleich vier bedeutenden Baumeistern aus rund 250 Jahren . Vor 250 Jahren starb Hofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer. Der Münchner, geboren am 3. oder 4. Mai 1692, war das bekannteste Mitglied der Barockbaumeister-Dynastie Gunetzrhainer. Johann Baptist besuchte in seiner Heimatstadt das Gymnasium. Nach seiner Lehrzeit war er seit 1715 unter Joseph Effner am Hofbauamt als Ingenieur mit den Schlossanlagen Fürstenried, Nymphenburg und Schleißheim befasst. 1726 kaufte er sich ein Haus am heutigen Promenadeplatz 15, das er als nobles Künstlerdo171 izil umgestaltete. ln der Mitte der Fassade aus feinem Stuckdekor thronte ·eine Madonna des renommierten Künstlers lgnaz Günthers (heute in Kopie). Das im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte Haus wurde 1960 rekonstruiert.
Gunetzrhainer erhielt immer mehr Aufträge und wurde Schöpfer einer eindrucksvollen barocken Sakral- und Profanarchitektur. Seine Bauten zeichnen sich durch Leichtigkeit und Verspieltheit aus. Zu seinen wichtigsten Werken gehören der Gasthof zu den " Drei Mohren" in Augsburg, die Kurfürstenzimmer der Residenz und die Da Am Münchner Promenadeplatz Nr. 15 lebte Gunetzrhainer in einem Haus, das er sich se lbst zum repräsentativen Domizil ausbaute (oben). Einer seiner
wichtigen Profanbauten ist der Gasthof zu den "Drei Mohren"· in Augsburg -rechts eine Innenansicht aus der Zeit vor 1945, auf der Titelseite unten linkseihe
Außenaufnahme.
Menstiftskirche St. Anna in München. Von außen wirkt St. Anna mit ihrem ganz leicht konkaven Mittelteil eher schlicht. Im Innenraum sind die weit gespannten Bögen typisch für " bayerisches" Raumgefühl seiner Zeit. Seine Sakralbauten in Landshut-Sei igentha I (Zisterzienserinnen-Klosterkirche), Sandizell!Schobenhausen (Hofmarkkirche) und Ruhpolding (Pfarrkirche) zeigen stark zentralisierende Tendenzen. Dort wurde Gunetzrhainer wohl von seinem Schwager Johann Michel
Fischer beeinflusst. Wahrscheinlich ist ihm auch das pittoreske kleine Schwabinger Suresnes Schlösschen an der Münchner Werneckstraße zuzuschreiben .

1745 wurde Gunetzrhainer von Kurfürst Max 111. Josef als Nachfolger von Effner zum Hofoberbaumeister ernannt. 1750 stieg er zum Hofkammerrat und Inspektor der Kurfürstlichen Hof- und Lustgärten auf. Trotzdem stand er wohl immer mehr im Schatten des aufstrebenden Franzois de Cuvillies. Jedenfalls verfasste er von nun an vor allem Gutachten, erledigte Verwaltungtätigkeiten und kümmerte sich um den Landstraßenbau . Am 23. November 1763 starb er in München. Längst war aus dem Kurfürstentum Bayern ein Königreich geworden . München entwickelte sich nach Schleifung der Wälle am Ende des 18. Jahrhunderts immer mehr zu einer modernenStadt. Mit großem Elan betrieb König Ludwig I. die hinter einem romanisierenden Portikus 4 verborgene kühn konstruierte Eingangshalle, die als einer der ersten Ingenieurbauten bezeichnet werden kann, machte großen Eindruck in der Fachwelt.
Das neuartig konstruierte Gebäude gefiel auch dem König. Er verhinderte, dass der Architekt einen Ruf an die Akademie der Baukunst in Wien annahm. Stattdessen ernannte er ihn zum Professor an der Polytechnischen Schule in München und machte ihn zum Baurat bei der Generaldi rektion der Königlichen Verkehrsanstalten. Ab 1851 realisierte Bürklein dann das Großprojekt Maximilianstraße. Die neue Prachtstraße führte von der königlichen Residenz gen Osten zur Isar und den jenseits von ihr liegenden Vorstädten . Bis heute wirkt die Meile wie aus einen Guss. Ihre imposanten Gebäude - allen voran das Völkerkundemuseum (damals Nationalmuseum), die Regierung von Oberbayern und das Maximilianeum am isarhochufer wurden im neuen Stil errichtet, der alle Architekturformen der Vergangenheit auf der Grundlage der gotischen Baukunst in ihrer englischen Ausprägung (Tudor-Stil) harmonisch zu vereinen bestrebt war. Anders als beim Bahnhof wurde Bürklein für seinen neuen Baustil der Maximilianstraße heftig kritisiert ("barbarischer Mischmasch "). Die Anfeindungen machten ihm zu schaffen; die Arbeit überlastete ihn. In geistiger Umnachtung starb Friedrich Bürklein am 4. Dezember 1872 in einer Heilanstalt im unterfränkischen Werneck.
Während der Prinzregentenzeit beherrschte Gabriel von Seid/ . fast eine Generation lang das Baugeschehen der Stadt. Er stammte aus einem gutbürgerlichen Münchner Elternhaus. Am 9. Dezember 1848 kam er als Sohn des wohlhabenden Bäckermeisters Anton Seidl und seiner Frau Therese, der Tochter des renommierten Bierbrauers Gabriel Sedlmayr, zur Weit. Nach einer Schlosserlehre begann er das Maschinenbaustudium. Doch bald setzte er auf seine eigentliche Begabung und studierte Architektur an der Münchner Akademie bei Gottfried Neureuther. Durch die Mitgliedschaft in der Künstlervereinigung Allotria war Seidl mit vielen angesehenen Münchner Bürgern, vor allem aber bedeutenden Künstlern bekannt. Die Freundschaft mit Franz von Lenbach, der zugleich sein Förderer werden sollte, ebenso wie der rege gesellschaftliche Kontakt mit Prinzregent Luitpold sollten entscheidend für seinen Werdegang sein. Die meisten Hauptwerke Seidis sind in seiner Heimatstadt zu finden. In seinem Architekturverständnis löste er sich von höfischen und akademischen Traditionen. Zunächst war er ein Protaden Umbau seiner Heimatstadt zu einem ",sarAthen". Sein Sohn, König Maximilian II., wollte nicht nachstehen. Er schrieb 1850 einen Wettbewerb aus, mit dem Ziel, einen einheitlichen zeitgemäßen Baustil zu entwickeln - den Sogenannten Maximilianstil. Sieger des Wettbewerbs wurde Friedrich Bürklein. Am 30. März 1813 war Friedrich Bürk/ein in Burk/ Mittelfranken geboren worden. Der künstlerisch begabte junge Mann kam 1828 nach München an die Akademie der Bildenden Künste in die Klasse Friedrich von Gärtners. Dieser fand Gefallen an dem mittellosen Studenten. Als einer der besten Schüler durfte Bürklein den Lehrer oft im Unterricht vertreten und bei Bauausführungen in München und Athen unterstützen . Nach seiner Ausbildung errichtete Bürklein ZCl" nächst eine Reihe  von Privathäusern in München . Aufmerksamkeit erregte er erst durch den Bau (ab 1840) des Fürther Rathauses, einer Paraphrase des Palazzo Vecchio in Florenz. 1843 wurde Bürklein Baukondukteur bei der Eisenbahnbaukommission in Nürnberg; 1846 kam die Versetzung nach München. Im 'Auftrag der Regierung reiste er durch Europa, um dort den Eisenbahnhochbau zu studieren . 1847 erhielt er den Auftrag zum Neubau des Münchner Hauptbahnhofes, dem Vorläufer des heutigen. Besonders gonist der volkstümlichen Richtung der Münchner Architektur. Er propagierte eine Erneuerung der Baukunst durch bodenständige bayerische und tirolerische Elemente, wie etwa bei seinem ersten Bauwerk, dem Sogenannten Deutschen Haus an der Sophienstraße. Er entwickelte aber auch den Stil der " Deutschen Renaissance", eine an der italienischen Renaissance und am Barock orientierte Architekturrichtung . War vom "Münchner Stilton" die Rede, war in der Regel die Formensprache Seidis gemeint.
Mit dem von Lenbach protegierten Bau des Bayerischen Nationalmuseums gelang Seidl endgültig der Durchbruch in seiner Karriere als Architekt. Zwischen 1894 bis 1899 wurde das monumentale Gebäude mit seiner langgestreckten, belebten Fassade errichtet. Das von einer Mauer umgebene, mit verschiedenen Höfen in einer Grünanlage angelegte Gebäude sollte nach dem programmatischen Konzept des Architekten wie ein allmählich gewachsenes Ensemble wirken . Die unterschiedlichen Epochen der Ausstellungsstücke sollten sich bereits im Äußeren spiegeln.
Auf den romanisierenden Flügel im Osten folgen ein barockisierender Turmmittelbau und westlich davon ein Flügel im Stil der deutschen Renaissance. Der an der Straße liegende Trakt zeigt Formen des Spätbarock und des Rokoko. Neben dem Nationalmuseum gehören zu· seinen wichtigsten Baudenkmälern die Kirchen St. Anna im Lehel und St. Rupert im Westend in neuromanischer Formensprache, das Lenbachhaus und die Kaulbachvilla im Stil der italienischen Renaissance, das von norddeutscher Renaissance beeinflusste Künstlerhaus, das neu-barocke Karistar-Rondell und das Ruffinihaus (Titelseite, oben rechts) im Heimatstil Seidis letzter Bau war das Deutsche .Muse_um, das er nur noch in Teilen errichten konnte. Er hatte 1905 den ausgeschriebenen Wettbewerb für dieses , neuartige, nationale Museum gewonnen, in dem historische und zeitgenössische Technik präsentiert werden sollte. Die asymmetrische Anlage auf der isarinsel, bei der der Architekt fast gänzlich auf Historietische Formen verzichtete, fügt sich harmonisch in die Umgebung ein. Seidis Schaffen zeugt von großer Vielseitigkeit. So erfand er zum Beispiel auch den Prototyp des deutschen Wohnzimmers (Titelseite: Wohnzimmer für Hugo Oberhummer in Sendling) und des bayerischen Wirtshauses, er entwarf Möbel und Gläser. Er setzte sich für Denkmal- und Naturschutz ein. Als Gründer des lsartalvereins verhinderte er die Isarregulierung und die Bebauung der Flussauen. 1900 wurde ihm wegen seiner Verdienste der persönliche Adel verliehen, 1912 erhielt er das Ehrenbürgerrecht der Stadt München.

Joomlart