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Papst Beni

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Unser noch unerforschtes Bayern

Jetzt sind wir also Rentner. Erst waren wir Papst, jetzt sind wir Rentner. Sind Sie auch noch so erschüttert von der Mitteilung des Heiligen Vaters - also des vormaligen Heiligen Vaters, des ExPapstes. Man muss aufpassen, keine Missverständnisse zu erzeugen : Vielleicht haben wir ja schon einen Zweit-Papst, wenn diese Glosse erscheint. Kommen Sie auch noch nicht darüber hinweg, dass nun kein Bayer mehr auf dem Stuhl Petri thront? Und so schnell auch keiner mehr thronen wird. Die nächsten 2000 Jahre bestimmt nicht. Die Kardinäle jedenfalls werden sich während des Konklaves bei jedem Wahlgang zuraunen: "Alles,
bloß kein Bayer nimmer! Hernach schmeißt er uns wieder den Bettel hin."
Aber irgendwie passt diese Entscheidung in das Charakterbild des bajuwarischen Stammes. Es fehlt uns dieses preußische Macher-Gen. Immer vergrübelt immer voller SelbstzweifeL Da könnten "wir" Superminister in Berlin werden, zugegeben unter einer protestantischen Kanzlerin Merke!, und was tun wir stattdessen? Kleinlaut der) Schwanz einziehen und zum Ausweinen heim nach Wolfratshausen schleichen. Wie oft will die Stunde schon nahe, da in Wildbad Kreuth es Spitz
auf Knopf stand, dass sich die CSU von ihrer größeren Schwesterpartei abspaltet und dann doch wieder dieses "Aaah, mia wissmas ned. Vielleicht liaba doch ned. Wei es kunnt ja sei ... " Freilich kunnt immer wos sei! Und genau darauf stiert der Bayer wie das Karnickel auf die Schlange. Der Regensburger Ratzinger-Biograf Christian · Feldmann jedenfalls meinte als erste Reaktion auf den Rücktritt Benedettos: "Er war schon immer so ein schrecklich verzagter Charakter."
Doch ist das wirklich die Erklärung für seinen Rücktritt?
Natürlich schießen jetzt die Spekulationen ins Kraut. Die einen glauben an geheime Intrigen. Die anderen sagen, der wollt' einfach seine Nachrufe 2
noch zu Lebzeiten lesen (was dann indirekt eine ziemliche Verzagtheit in Bezug auf den Glauben an ein Leben nach dem Tod verrät; seine Nekrologe könnte man doch auch "nachher" noch studieren, als "paradiesische Presseschau" sozusagen). Mein guter Freund Harald meinte zu den Gründen für das plötzliche Abstandnehmen von einem. Leben als Papst: Der wird halt eine Frau kennen gelernt haben. Ein schrecklich unernster Charakter, dieserHarald. Wo soll man bitteschön im Vatikan eine Frau kennen lernen können? Nein, die Fragen bleiben . Und zwar nicht nur die nach den Gründen für die Abdankung, sondern überhaupt, wie's weitergehen soll. Was mir dabei mit am meisten Sorgen bereitet, ist das mit der Unfehlbarkeit.
Ich weiß nicht, ob Unfehlbarkeit auch einfach so abdanken kann. Wahrscheinlich fährt die im Moment der Papstwahl in den Auserwählten hinein, als Aussendung des Heiligen Geistes. Und der Heilige Geist kennt sicher keine Vorruhestandsregelungen . Wenn also jetzt ein neuer Papst gewählt sein wird, dann gibt es auf diesem Erdenrund plötzlich zwei Träger der Unfehlbarkeit, und das ist so etwas wie eine contradictio in adiecto, ein Widerspruch in sich.
Man muss sich das ungefähr so vorstellen wie beim FC Bayern München. Wenn jetzt der Pep Guardiola seinen Job antritt, verliert deshalb der Jupp Heynckes seine vom Heiligen Geist eingegebene Unfehlbarkeit in Sachen Spielanalyse und Mannschaftsaufstellung? Noch dazu, wenn der tatsächlich alle drei in dieser Saison noch zu vergebenden Titel gewinnen sollte? Wohl kaum . Und der Hoeneß wird sicherlich auch nichts dagegen haben, wenn der Heynckes bis an sein Lebensende im Trainingsanzug mit dem FCB-Logo herumläuft.
Ob allerdings Benedikt weiterhin im weißen PapstOrnat umherwandeln wird dürfen, da streiten die Vatikan-Gelehrten noch. Und darüber, was in Zukunft
an seinem Klingelschild stehen wird . Heiliger Vater a. D.? Erst jüngst hat in einer Talkshow ein Geistlicher einem Atheisten zu erklären versucht,
wieso das Sakrament der Taufe auch durch Kirchenaustritt nicht aufgehoben werden kann. Er sagte: "Das ist, wie wenn Sie Vater geworden sind . Das bleiben Sie ein Leben lang." Interessant!

Joomlart