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Poliomyelitis

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Poliomyelitis (Kinderlähmung)


Die Poliomyelitis ist eine Infektionskrankheit, bei der die Nervenzellen des Rückenmarks befallen werden und zu bleibenden Lähmungserscheinungen führen. Im schlimmsten Fall endet diese Krankheit auch tödlich. Eine ursächliche Behandlung gibt es nicht. Durch die konsequente Impfung gilt die Kinderlähmung in Deutschland heute als ausgerottet. Erstmals beschrieben wurde diese Krankheit durch den Orthopäden Jakob Heine, der 1840 das Buch "Beobachtungen über Lähmungszustände der unteren Extremitäten und deren Behandlung" veröffentlichte. Was dort beschrieben wurde, bezeichnete Heine in einer zweiten Auflage 20 Jahre später als "spinale Kinderlähmung". Ein schwedischer Arzt namens Karl Oskar Medin erkannte dann den epidemischen Charakter der Krankheit und knüpfte an die Erkenntnisse von Heine an, wodurch die Kinderlähmung auch als Heine-Medin-Krankheit bezeichnet wird. Bis 1880 existierte Polio, so eine geläufige Abkürzung, als endemische Krankheit, also häufig aufkommend in einer Region. Erst ab 1880 trat die Krankheit auch in epidemischer Form auf, also regional übergreifend. Zu den bekanntesten Opfern einer solchen Epidemie zählt der ehemalige US-Präsident Franklin D. Roosevelt, der während seiner Präsidentschaft die Forschung nach einem Impfstoff wesentlich gefördert hat. Symptome können bei Polio nicht genannt werden, da es in 95 Prozent der Fälle keine gibt. Stattdessen bildet der Körper, unbemerkt vom Inzizierten, Antikörper und es kommt zu einer so genannten "stillen Feiung". Hierbei entwickelt der menschliche Körper auch ohne Impfung und unbemerkt vom jeweils infizierten Menschen eine dauerhafte Immunität der Erkrankung, so dass dieser, selbst wenn er wieder mit ihr in Berührung kommt, nicht wieder erkranken kann. Also quasi so, als wäre man geimpft worden. 7 bis 14 Tage Inkubationszeit vergehen in etwa, bevor es zu einer dreitägigen Erkrankung kommt. Hier treten gemein hin Fieber, Halsschmerzen, Abgeschlagenheit und oft auch Durchfall und Erbrechen auf. Bei mehr als 75 % der Erkrankten heilt diese abgeschwächte Form von Polio folgenlos aus. Das zentrale Nervensystem wird nicht infiziert. Für 5 bis 10 Prozent der Patienten sind diese Symptome allerdings nur das Vorstadium der eigentlichen Erkrankung. Nach etwa einer Woche ohne Fieber und weitere Beschwerden kommt es zu einer nichteitrigen Hirnhautentzündung, bei der Lähmungen der Muskulatur fehlen. Eine solche Hirnhautentzündung zeigt sich durch folgende Symptome: Anstieg der Körpertemperatur auf 39 Grad, Kopfschmerzen und Nackensteifigkeit. Nur etwa 1 Prozent der Infizierten erleidet dann die schwerste Form der Krankheit, was dann als "klassische Kinderlähmung" bezeichnet wird. Diese Form der Kinderlähmung kann sich auch nach einer fieber- und beschwerdefreien Zeit von 2 bis 12 Tagen entwickeln. Hierbei kommt es oft zur so genannten "Morgenlähmung", wobei sich die Lähmung primär auf die Muskulatur der Oberschenkel, verbunden mit starken Schmerzen, beziehen kann. Bei Beteiligung der zugehörigen Segmente des Rückmarks können auch Rumpf, Zwischenrippenräume, Harnblase, Mastdarm oder Zwerchfell betroffen sein. Nur selten sind die Ursprungsgebiete der Hirnnerven betroffen, das wäre die "bulbäre Form" der Krankheit. Hier kommt es zu hohem Fieber, Schluckstörungen oder Atem- und Kreislaufregulationsstörungen. Diese ernste Verlaufform führt leider oft zum Tod. Therapiert werden kann Polio nur durch schmerzlindernde Medikamente und Maßnahmen wie korrekte Lagerung, sorgfältige Pflege und feuchtwarme Packungen um die betroffenen Partien. Beim kleinsten Verdacht des bulbären Krankheitsverlauf muss umgehend eine intensivmedizinische Überwachung und Behandlung sichergestellt werden. Die Krankengymnastik ist ebenso wie orthopädische Hilfsmittel eine effektive Form der Nachbehandlung, weil man dadurch auch bis zu 2 Jahre nach der Erkrankung noch Verbesserungen der Beweglichkeit erzielen kann.

 

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